27. April 2010

Plattentaufe im Babylon – Gisbert zu Knyphausen



Es ist Freitag, der 23. April. Das Babylon in Berlin Mitte ist gut gefüllt, alles macht es sich in den Kinosesseln bequem, alles schaunt gespannt nach vorne, auf die Bühne. Wann kommt er denn endlich? Wann fängt er endlich an zu spielen?
Heute gibt es gleich zwei Gründe zum Feiern: Zum Einen wird Gisbert zu Knyphausen an diesem Tag 31 Jahre alt; zum Anderen befinden wir uns auf der Plattentaufe seines zweiten Albums. Ich habe Gisbert nun schon diverse Male live gesehen und mich die letzten zwei Jahre mit seinem ersten Album über Wasser gehalten. Und nun ist sie endlich da, die zweite, lang versprochene Platte mit dem schönen Namen “Hurra! Hurra! So nicht.”
Und hier, heute, jetzt im Babylon wird der Hamburger Singer-Songwriter sie präsentieren. Begleitet wird das Konzert von Radio Eins , damit alle, die keine der heiß begehrten Karten ergattern konnten, trotzdem an diesem Abend teilhaben können.
Als Gisbert auf die Bühne kommt, ist alles so herrlich vertraut. “Hey!”, sagt er, und stimmt direkt das gleichnamige Lied an. Passt sehr gut als Begrüßung, aber noch mehr freue ich mich über das darauf folgende Stück. Ich bin ein Freund von Klischees und von funkelnden Sternen ist meiner Meinung nach eins der schönsten Lieder des neuen Albums. Wunderbar kitschig, wunderbar echt.

Echt ist auch sein Geständnis, dass er wahnsinnig nervös sei heute Abend – und gerade das macht ihn eben so sympathisch.
Insgesamt ist es sehr schwer, eine Hierarchie in die elf neuen Songs zu bringen. Eigentlich sind sie alle toll, ich kann in alle problemlos hineinsinken. Woher nimmt dieser Mann nur solche Metaphern? Solche Stimmungen? “Sie ist etwas melancholischer geworden”, sagt er irgendwann über die zweite Platte. “Aber keine Sorge, es geht mir sehr gut.” Und das merkt man, das merkt man wirklich. Auch, wie sehr er sich freut, an diesem Abend mit seiner Band auf der Bühne zu stehen.
Auch heute Abend spielt Gisbert wieder seine eigene Interpretation von Wer ich wirklich bin der Band Element of Crime. Er hat das Stück schon öfter gespielt und ich finde diese Version um ein Vielfaches besser als das Original1.
Insgesamt spielt er eine tolle Mischung aus alten und neuen Songs. Besonders gut gefällt mir, dass viele Lieder vom ersten Album neu interpretiert werden. Alles klingt ein wenig leichter, ein bisschen weniger heftig. Schön!
Meine Highlights sind (immer wieder) Kleine Ballade und So seltsam durch die Nacht, und (neuerdings) Morsches Holz, Kräne, Ich bin ein Freund … und Dreh dich nicht um2.

Nachdem Gisbert mit Band von der Bühne verschwunden ist, kommen sie unter tosendem Applaus mit einer Sektflasche und -gläsern wieder zum Vorschein. Jetzt wird das Schi-, äääh, die Platte richtig getauft (wie es sich für einen Hamburger gehört) und ein bisschen Geburtstag gefeiert. Das Publikum singt Gisbert dann auch tatsächlich ein Ständchen, er selbst ist sichtlich gerührt. Ich habe das Gefühl, er will überhaupt nicht von der Bühne herunter, er spielt und spielt. Eine zweite Zugabe gibt es auch noch und mit einem wirklich von Herzen kommendem “Vielen, vielen, vielen, vielen Dank!” und einer tollen Version von Spieglein, Spieglein entlässt Gisbert schließlich das Publikum in die Nacht.

Eine gelungene Konzertkritik gibt es auch beim Tagesspiegel.

  1. Leider hat es der Song nicht auf das Album geschafft, es gibt ihn aber immerhin als iTunes-Download.[]
  2. Hier die TV-Noir-Version, weil die Qualität so toll ist und das Lied ja sowieso.[]

20. Dezember 2008

Gisbert, Tulp und Moritz



Gestern war ich mit Sophia auf dem Konzert von Gisbert im Amp. War natürlich sehr sehr toll, auch wenn der gute Mann leicht betrunken war. Zumindest kam es mir so vor, denn er ist aus dem Labern gar nicht mehr herausgekommen ;) Aber es war ein wirklich schönes Konzert, er hat alle seine Lieder gespielt, einige neue auch, und auch diverse Coverversionen. U.a. Wer ich wirklich bin von Element of Crime, und Mitbewohnerin von Moritz Krämer. Letzterer ist tatsächlich sehr zu empfehlen; auf meine Email-Anfrage hin hat er mir auch einen Link zum Download seines Albums geschickt. Sehr schön, das! Hört mal rein!

Auch sehr schön war die Vorband Tulp. Zwar war der Sänger mit seiner Gitarre alleine auf der Bühne, also ohne Band, aber er hat sehr gut in den Abend gepasst. Klingt ähnlich wie Gisbert, auch deutsche Texte, auch recht melancholisch. Ich hab mir direkt mal die CD gekauft – wirklich gut anzuhören! Auch hier: unbedingt mal anschauen!

21. August 2008

Haldern Pop 2008



Man könnte sagen, dass ich mich momentan auf einem musikalischen Höhenflug befinde. Letztens erst Sigur Rós und zwei Tage vorher noch das Haldern Pop Festival! Wie soll man da ein lautes Jauchzen noch unterdrücken können! :)

haldernmosaik

Dieses Jahr war es mein zweites Haldern – insgesamt aber das 25. Ein Vierteljahrhundert gibt es dieses kleine, nette Festival nun schon, und es hat schon viele großartige Bands gesehen, die ich leider verpasst habe … im Vorhinein wurde ja in diversen Foren viel über das diesjährige Line-Up gemeckert. Es sei zu unspektakulär, es müsse doch etwas Großes dabei sein, und dann wieder, es sei zu kommerziell. Ich denke: es war genau richtig!

Leider habe ich das Gefühl, von der Musik weniger mitbekommen zu haben als letztes Jahr. Es war immer noch wunderbar, aber ich habe doch einige tolle Auftritte verpasst, u.a. von Ólafur Arnalds, Yeasayer, Fleet Foxes, Lykke Li und Alamo Race Track. Schade drum, aber man kann ja leider nicht alles mitnehmen. Dafür habe ich auch viele tolle Konzerte gesehen, von denen mir manche sicher noch lange in Erinnerung bleiben werden!

Die erste und einzige Band, die wir am Donnerstag gesehen haben, waren die Flaming Lips. Leider sind wir nicht mehr ins Zelt gekommen, da wir ein wenig spät dran waren. Außerdem war ich an diesem Tag besonders müde, was darin resultierte, dass Sophia und ich uns nur den halben Auftritt der Flips angeschaut haben. Die Musik ist nicht ganz mein Fall, aber ich muss zugeben, die Bühnenshow war gigantisch! Wie der holländische Ansager richtig sagte: “Die größte Kindergeburtstagsparty!” – Luftballons, Konfetti, Teletubbies – und der Sänger in einem riesigen Plastikball, alles war da! Das muss man einfach gesehen haben:

Übrigens habe ich natürlich die Überraschungsgäste verpasst! Nach den Flaming Lips haben noch Fettes Brot (!) im Spiegelzelt (!) gespielt! Naja, wenn man davon ausgeht, dass wir eh total müde waren, hätte mich das an dem Abend auch nicht mehr umhauen können. D.h. irgendjemand hatte das auch erzählt und wir hatten natürlich Musik aus dem Zelt auf dem Zeltplatz gehört. Aber so richtig realisiert habe ich es erst später – und mich wahnsinnig geärgert. Gerade auch bei den ganzen Videos, die jetzt bei Youtube online sind … grummel … Egal! :)

Freitag war ich super ausgeruht. Immerhin hatte ich fast neun Stunden geschlafen – und dank meiner Klappmatratze sogar recht bequem ;) So macht campen doch Spaß! Sophia und ich hatten mit Lukas, Maria, Thomas, Rosa, Alex und Jean-Yves ein kleines Zeltdorf gebildet. Das war eine richtig gute Sache, und ich darf wohl behaupten, dass wir ziemlich viel Spaß hatten, u.a. mit Werwölfe und Personenraten spielen, frühstücken, Pavillion aufbauen und eine Pinkelbarrikade für die Herren der Schöpfung aus zusammengeknoteten Müllsäcken bauen. Dieser männliche Trieb, sich überall hinzustellen und es laufen zu lassen, ganz egal, ob zwei Meter weiter Leute frühstücken oder sich die Zähne putzen, ist wirklich das Unnötigste und Unverschämteste, was es gibt. Tztztz! Nunja, immerhin hat unsere Barrikade ein bisschen geholfen ;)

Jedenfalls haben wir Freitag auch einige wunderbare Bands gesehen. Ganz vorne dabei natürlich Gisbert zu Knyphausen!!! :) Ich hatte ein paar Stunden vorher schon ein Autogramm abstauben können, nachdem Lukas, Sophia und der dicke, nette Security-Mensch mich dazu überredet hatten, zu Gisbert hin zu gehen und hallo zu sagen. “Der ist sehr nett, der hat schon ein paar Bier intus”, beruhigte mich der Security-Mann. Und nett war er wirklich, und ich unglaublich aufgeregt, was natürlich dazu führte, dass ich mich in Lobeshymnen über ihn ergoss. Leider hat er meine Musikwünsche nicht beachtet … dabei hätte ich so gerne Kleine Ballade oder Wer kann sich schon entscheiden gehört … Lukas’ Spieglein Spieglein kam ja zumindest in der Zugabe dran. Naja, aber großartig war es natürlich trotzdem :)
Auch schön war My Brightest Diamond – die Frau mit der unglaublichen Haartolle und Gesichtstattoo -, Bernd Begemann – ich sag nur dick und lustig :D – und Kula Shaker. Die Kilians waren auch ziemlich gut – und dass, obwohl ich sie jetzt zum vierten Mal gesehen hab. Es wirkt auf einer großen Bühne eben doch anders als in einem kleinen, schwitzigen Kellerraum. Jack Penate habe ich leider wegen eines zeitgleichen Regengusses verpasst. Statt klitschnass vor der Bühne zu stehen, haben Sophia und ich also lieber im Zelt Stadt, Land, Fluss gespielt und uns das Ganze von dort aus angehört. Leider nur halb so geil.
Ziemlich gut war auch die für uns letzte Band des Abends: die Editors! Ein wirklich sehr guter Live-Auftritt! Ich war tatsächlich positiv überrascht :)

Am Samstag war dann von Regen nichts mehr zu sehen! Zumindest tagsüber. Morgens starteten wir den Tag mit etwas, das wir letztes Jahr tatsächlich mehr als verpasst haben: schwimmen im See! Nur ein paar Minuten Fußweg vom Campingplatz entfernt, quasi direkt neben dem Festivalgelände, liegt ein wunderschöner See. Nicht besonders groß, aber groß genug, um ordentlich schwimmen zu können. Das Wasser war sogar relativ warm und es war einfach wunderschön, dort vor sich hin zu paddeln :)

Die Musik an diesem Tag war auch toll, leider habe ich aber auch hier viel zu viel verpasst.
Ganz groß waren auf jeden Fall Okkervil River! Nach meinem Geschmack hätten sie zwar ein paar mehr ruhige Stücke spielen können, aber ich will ja nicht meckern; so konnte man immerhin richtig mitgehen. Will Sheff, der Sänger, hat einfach eine Wahnsinnspower, und der Schlagzeuger war auch ziemlich gut. Insgesamt hatte man den Eindruck, die Band hat einfach Spaß auf der Bühne und gibt ihr Bestes, um diese Begeisterung auf das Publikum zu übertragen :) Hat bei mir auf jeden Fall geklappt!

Auch toll waren Iron and Wine. Obwohl es im Zelt nochmal anders gewirkt hätte, war es faszinierend, die Jam-Session, die Sam Beam und seine bunt zusammengewürfelte Band boten, mit anzusehen. Auch diese Band hätte ich etwas ruhiger erwartet, aber es war wirklich schön :)
Mit The National habe ich, wie ich fürchte, einen großen Auftritt des Abends verpasst, aber ich war einfach zu kaputt, um noch weiter zu stehen und habe mit das Konzert im Sitzen angehört. Das wirkte wohl nur halb so gut – jedenfalls kann ich es mir nicht anders erklären, dass alle anderen total begeistert waren. Naja, vielleicht ergibt sich ja nochmal die Gelegenheit!
Maximo Park bildeten dann den krönenden Abschluss dieses tollen Festivals. Also ich fand sie ganz nett, der Sänger sieht auch echt nicht schlecht aus ;) Aber so umgehauen hat mich das Ganze jetzt nicht. Mir ist es auch einfach ein bisschen zu elektronisch und ich war einfach schon total kaputt an dem Abend. Nichtsdestotrotz waren sie schon ganz gut :) Ein kleiner Schock war dann noch das Gerücht, dass Die Ärzte zeitgleich im Zelt spielen sollten! Das hat sich allerdings als Ente herausgestellt. Aber für ein paar Momente war ich doch wirklich verwirrt ;)

Insgesamt waren diese drei Tage Kühe, Musik und Haldern den Aufwand und die Reise allemal wert! Es war so entspannend, an nichts denken zu müssen, und sich einfach der Stimmung und der Musik hingeben zu können. Leider habe ich wohl einige tolle Bands verpasst, aber dafür auch andere großartige Auftritte gesehen. Außerdem hatte ich wirklich Spaß in unserer kleinen Zeltdorfcrew.

Noch 351 Tage bis zum nächsten Mal :) Ich freu mich jetzt schon!

Das Mosaik habe ich hier erstellt :) Den Tipp habe ich von Miriam.

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