23. März 2009

Ein Buch, das das Herz berührt



bucherdiebin1 Gestern habe ich Die Bücherdiebin von Markus Zusak zuende gelesen.

Ein Wort. Ein Gefühl. Großartig!

Mir kamen schon auf Seite 30 das erste Mal die Tränen, zwischendurch auch immer wieder, aber die letzten hundert Seiten waren der absolute Wahnsinn. Schluchzend, als ob ich selbst von den Ereignissen auf den letzten Seiten betroffen gewesen wäre, nahm ich Anteil daran. Ich wurde mit hineingezogen in das Geschehen, die Worte waren so überwältigend, die Geschichte so atemberaubend, und die Charaktere waren mir im Laufe des Romans so vertraut geworden.

Die Geschichte lässt sich nicht direkt greifen. Es ist eher die Art, wie sie erzählt wird, die so fesselnd ist. Die Protagonistin ist Liesel, ein kleines Mädchen, das im Alter von neun Jahren zu Pflegeeltern kommt, da ihre leibliche Mutter zu arm ist, um sie ernähren zu können. Das Ganze spielt während des Zweiten Weltkriegs in einer Kleinstadt in der Nähe von München. Nachdem Liesel sich einmal an die neue Umgebung der Himmelstraße gewöhnt hat, schließt sie Freundschaft mit Rudi Steiner, liebt ihren neuen Papa über alles, und hilft ihren Pflegeeltern dabei, einen Juden zu verstecken, den sie ebenso ins Herz schließt wie er sie. Liesels Leidenschaft sind Bücher – oder genauer: das Stehlen von Büchern. Die Geschichte wird von dem zweiten Protagonisten des Romans erzählt: dem Tod höchstpersönlich, der sich als überaus menschlich erweist und dem Liesel ebenfalls das Herz stiehlt.

Diese Geschichte eines Kindes inmitten der Kriegswirren ist so herzzerreißend geschrieben, so naiv und dennoch klug. Die Perspektiven von Liesel und dem Tod vermischen sich ständig und der Lesefluss wird immer wieder durch Einwürfe des Todes unterbrochen, in denen er dem Leser Einblick in sein Wissen gibt, das sich von dem Liesels unterscheidet. Er greift auch zukünftigen Ereignissen vor und fügt hier und da seine Sicht der Dinge ein. Hier nimmt er die Rolle des allwissenden Erzählers an, doch er ist immer noch beschreibend, nicht wertend. Er urteilt nicht, er versteht die Menschen, egal ob sie Hitler treu sind oder sich gegen ihn richten. Am meisten versteht der Tod Liesel Memminger, deren Schicksal im Grunde bloß eines von vielen ist. Der Tod ist kein grausamer Sensenmann, er erledigt seine Aufgabe so sanft wie möglich und sieht sich als Knecht einer höheren Macht. Nicht er ist Schuld daran, dass Menschen sterben, die Menschen selbst verursachten den Krieg, entwickelten Waffen und löschten sich gegenseitig aus.
Das Buch führt dem Leser vor allem die Macht der Worte vor Augen, die einerseits zu Schrecklichem missbraucht werden können, die andererseits aber auch Hoffnung darstellen, Frieden geben können und Geschichten erzählen – sei es die des Juden Max, sei es die der Bücherdiebin oder gar die des Todes.

Man muss dieses Buch langsam und aufmerksam lesen, sich auf die zunächst verwirrenden Perspektiven einlassen, man muss sich jedes Wort auf der Zunge zergehen lassen und so lernen, welche Farben der Himmel haben kann.

Als ich gestern das Buch aus der Hand legte, hatte er die Farbe von milchigem Weiß, das sich mit dem Glänzen von Kinderaugen vermischte.

Bitte lest dieses Buch, es ist ein wahres Meisterwerk.

20. März 2009

Frühlingsanfang



Heute ist offiziell Frühlingsanfang! Google begrüßt die schönste aller Jahreszeiten mit der Raupe Nimmersatt1, und ich feiere diesen wunderbar sonnigen Tag damit, Obstsalat zu machen, die Tafel in der Kaffeebar neu zu beschriften, mich an meiner grünen neuen Frühlingsjacke zu erfreuen, und eigentlich auch mit Fensterputzen. Das scheitert allerdings daran, dass wir kein Fensterputzmittel da haben. Schade, dann muss ich mein alljährliches Ritual leider verschieben. Stattdessen werde ich mich gleich mit einem Buch auf den Balkon verkrümeln und die Sonne genießen.

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Am liebsten würde ich einen Frühlingsschrei loslassen, so wie Ronja Räubertochter, die den Frühling im Mattiswald begrüßt.

Und hier war sie nun und hatte sich kopfüber in den Frühling gestürzt. So herrlich war er um sie herum, ja, auch sie selber war ganz erfüllt von seiner Herrlichkeit, und sie schrie wie ein Vogel, laut und gellend, bis sie es Birk erklären musste.
“Ich muss einen Frühlingsschrei schreien, sonst zerspringe ich. Hör doch! Du hörst doch wohl den Frühling!”
Eine Weile standen sie schweigend da und lauschten dem Zwitschern und Rauschen, dem Brausen und Singen und Plätschern in ihrem Wald. Alle Bäume und alle Wasser und alle grünen Büsche waren voller Leben, von überall her erscholl das starke, wilde Lied des Frühlings.
“Hier stehe ich und spüre, wie der Winter aus mir herausrinnt”, sagte Ronja. “Bald bin ich so leicht, dass ich fliegen kann.”2

  1. Das ist wirklich eine nette Idee ^^[]
  2. Lindgren, Astrid: Ronja Räubertochter. Hamburg: Friedrich Oetinger, 1982, S. 107.[]

27. September 2008

Ein Buch für das Herz und die Seele



niffenegger1Heute Mittag habe ich den Roman Die Frau des Zeitreisenden von Audrey Niffenegger zuende gelesen – was für ein Buch!!!
Eigentlich wollte ich es gestern Nacht unbedingt noch fertig kriegen, aber um 3 Uhr nachts mit noch 100 Seiten vor mir musste ich leider kapitulieren. Zu dem Zeitpunkt hatte ich die letzten drei Stunden schon lesend und heulend hinter mich gebracht – weil es so schön, lustig, tieftraurig, bewegend und schrecklich war. Gefühlskarussell der Extraklasse, würd ich mal sagen. Wahnsinn, wie einen gedruckte Worte so bewegen können, aber Audrey Niffenegger schreibt dieses Buch mit einer solchen Liebe, dass man automatisch in den Sog dieser Geschichte hineingerissen wird. Es ist sehr leicht zu lesen, lediglich die Zeitsprünge erfordern ein bisschen Mitdenken, besonders am Anfang. Oberflächlich mag es eine typisch amerikanische, abgedroschene Liebesgeschichte sein. Aber ich sage euch: das ist es nicht! Liebesgeschichte, ja, amerikanisch auch, aber abgedroschen und typisch nun wirklich nicht.

Henry ist 28 als er Clare (20) zum ersten Mal begegnet. Doch Clare kennt Henry schon, seit sie sechs Jahre alt war, da kam er nämlich in einer seiner vielen Zeitreisen zu ihr. Und blieb. Mit einigen Unterbrechungen zwar, doch als sie sich schließlich auch im realen Leben über den Weg laufen, scheint ihr Glück perfekt. Allerdings stellen Henrys Zeitreisen mehr Probleme dar, als beide vorher ahnen konnten …

Ungefähr bis zur Mitte des Buches ist es im Grunde nur ein Hin und Her zwischen den beiden Protagonisten, doch irgendwann passieren so viele unvorhersehbare Dinge, dass man nur mit offenem Mund dasitzt und immer wieder Nein!!! oder Hach! denkt, während die Tränen laufen. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, aber ich kann nur jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen. Danach fühlt man sich wie ausgewechselt, ein Hormoncocktail, der durch die Augen eingenommen wird, ohne Nebenwirkungen zu verursachen.

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