Resümee: Immergut Rocken 2010

Die Vorfreude auf das Immergut Festival war anders als bei vergleichbaren Events. Als ich vor etwa zwei Monaten die Karte kaufte, schien die Sonne und ich konnte es kaum erwarten. Zwei Tage vor Beginn des Festivals war der Himmel grau und ich ziemlich unmotiviert. Zwei Stunden vor Abfahrt kam sie dann aber, die helle Freude auf ein Weiberwochenende mit guter Musik unter freiem Himmel.
Die erste Feststellung, die Laura und ich machten, als wir auf dem Gelände ankamen: Mit Auto ist es viel einfacher! Auch wenn die Bahn, vollgepackt mit Immergutlern, ihren besonderen Flair hatte, drückt die Schlepperei von Zelt, Isomatte, Schlafsack und Gedöns doch ein wenig auf die Stimmung. Aber hey, wir haben es ja geschafft! Ohne männlichen Beistand!
Das Zelt war auch fix aufgebaut, die Picknickdecke nett nebenan drapiert, sodass wir uns mit Ravioli1, Blaubeeren und Wein in die Sonne knallen konnten. Denn sonnig war es zu dem Zeitpunkt sehr wohl, und schwül. Daher war es weniger überraschend, aber dennoch nicht minder enttäuschend, als es auf einmal Bindfäden zu regnen begann. Da waren wir schon auf dem Festivalgelände bestehend aus einer Winzbühne (auch im Vergleich mit Haldern), einer noch kleineren, putzigen Bühne, genannt: Birkenhain, und der Bühne im Zelt, plus diverse Buden und Stände natürlich. Jedenfalls waren wir eher mittelmäßig für den Regenguss gerüstet. Aber zum Glück dauerte der nicht so lange, sodass wir uns schließlich ein bisschen An Horse und Everything Everything anschauen konnten.2
Wunderbar war die Umsetzung des Mottos Alles Indianer. Tatsächlich gab es Kanus, Totempfähle und einen Platz, an dem man sich seinen eigenen Indianerschmuck basteln konnte. Es war wirklich nett, wie viele Leute mit Federn und / oder Stirnbändern herumliefen.
Das Highlight des Abends war dann später: Bonaparte. S – U – P – E – R! Also jeder, der die Gelegenheit hat, sie mal live zu sehen, sollte diese nicht missen. Zugegeben, es ist nicht die Musik allein, aber der sympathische Sänger und seine komplett verrückte Bühnenshow, bei der am Ende alle halbnackt dastehen, war wirklich grandios. Ohne Eisfüße wäre es allerdings noch zehnmal besser gewesen.
Die Eisfüße waren leider der Hauptgrund, wieso wir uns entschlossen, die zweite Nacht vom Zelt ins heimische Bett zu verlegen. Denn die erste Nacht verbrachten wir beide mit Erfrierungsängsten. Der Mai ist eben doch nicht der perfekte Zeltmonat, zumindest nicht in diesem Jahr.
Doch bevor wir früher als geplant die Heimreise antraten, gab es noch einen unheimlich sonnigen, warmen Samstag zu genießen. Die Seen haben wir uns gespart, deshalb kann ich es vielleicht nicht ganz beurteilen, aber: landschafts- und umgebungstechnisch zieht das Immergut im Vergleich mit dem Haldern leider den Kürzeren. Industriegebiet ist eben doch etwas anderes als Alter Reithof.
Dennoch: Samstag ging es wunderbar entspannt zu. Die ganzen Betrunkenen, die mich am Freitag sehr gestört haben, waren entweder noch im Komaschlaf oder wieder ausgenüchtert; der Himmel war blau, blauer geht’s nicht; insgesamt war die Stimmung an diesem Tag so, wie ich sie mir vorgestellt hatte.
Der perfekte Immergut-Moment war ebendieser: Wir saßen in der Nachmittagssonne auf dem Boden am Birkenhain, Norman Palm spielte wunderhübsche Singer-Songwriter-Melodien3 und machte kleine Scherze, der Wind blies einem ab und zu eine leichte Brise ins Gesicht. Besser geht es nun wirklich kaum! So hatte ich mir das Immergut vorgestellt und so war es dann ja (in einigen Momenten) tatsächlich auch.
Auch super war die Lesung von Rocko Schamoni. Ich kannte ihn schon ein wenig, hatte ihn aber noch nie live gesehen. Einfach ein grandios witziger Typ, grundsympathisch und selbstironisch. Das war wirklich herrlich: Eine Stunde lang lachen pur.
Später am Abend gab sich William Fitzsimmons die Ehre. Seinen Auftritt hatte ich letztes Jahr beim Haldern verpasst und freute mich umso mehr darauf. Leider war der Sound – Verzeihung – beschissen. Außerdem muss ich leider sagen, dass seine Lieder doch recht eintönig sind, so schön sie auch sein mögen. Aber trotzdem war auch dies ein toller Moment am Birkenhain. Über uns glitt ein Paraglider am strahlend blauen Himmel entlang und ein paar Leute hörten in einem Baum sitzend dem Konzert zu.
Laura und ich haben uns wirklich nicht viele Bands angeschaut, viel gechillt und sind Samstagabend schon wieder abgereist. Aber es war alles richtig so. Kein Stress, schöne Atmosphäre, nur eine Nacht kurz vorm Erfrieren. Ich denke, ich würde wieder hinfahren, allerdings muss das Line-Up dann richtig bombe sein und konstante Temperaturen über 20°C wären auch von Vorteil. An das Haldern kommt es leider überhaupt nicht heran, was aber auch an der Musikauswahl liegen mag. Ich bin dann eben doch mehr die Indie-Gitarrenpop-Fraktion als Elektropartymensch. Aber ich bereue nichts: Es war ein sehr schönes Wochenende!
