27. Mai 2009

“Viel Lärm um nichts” präsentiert vom Poetischen Anfall



viellaermumnichts Heute Abend habe ich mir die dritte Aufführung des Poetischen Anfalls von Shakespeare’s Viel Lärm um nichts angesehen. Das Stück wurde in Szene gesetzt von der Theatergruppe der RWTH, die in Eigenregie die Komödie auf die Beine gestellt hat.
Erfahren hatte ich davon schon vor einiger Zeit von Dinah, die in dem Stück die Hero spielt und mir schon Einiges von den Proben und sonstigen Vorbereitungen erzählt hatte.

Nun, ich brannte natürlich darauf, das Ganze mit eigenen Augen zu sehen und heute war es dann endlich so weit. Und ich kann nur sagen: Ich bin schwer begeistert!
Das Theaterstück ist urkomisch, ich habe gelacht bis zum Umfallen, und an den dramatischen Stellen empathisch mitgefiebert, vor allem, als Dinah alias Hero schluchzend am Boden lag. Ich wäre am liebsten auf die Bühne gestürmt, um sie zu trösten!

Die Rollen waren einfach fantastisch besetzt: Jedem schien seine Rolle wie auf den Leib geschneidert; und das, obwohl viele Frauen Männerrollen übernehmen mussten – was zu Shakespeare’s Zeiten selbstverständlich undenkbar gewesen wäre und dort umgekehrt praktiziert wurde.
Die Hauptrollen überzeugten durch ausgeprägte Mimik und rhetorische Fähigkeiten – so z.B. Benedikt, Beatrice und Don Pedro.
Aber auch die kleinsten Rollen waren unentbehrlich. So der “Busch”, der eine große Fangemeinschaft im Publikum sitzen hatte, die Wächter, allen voran Holzapfel – zum Schreien komisch, das muss man erlebt haben! -, aber auch der Bruder des Leonato. Sie alle wurden ihren Rollen mehr als gerecht und holten heraus, was herauszuholen war.
Die Kulisse war sehr schlicht, aber ausreichend; Mimik, Gestik und Darstellungsweise der Schauspieler reichten im Grunde, um die Geschichte aufleben zu lassen. Licht und Ton waren sehr gut auf die Szenen abgestimmt, besonders dann, wenn sich die Handlung dramatisch zuspitzte, oder aber auch durch eine Twisteinlage aller Beteilgten aufgelockert wurde. Es wurde sogar mit Schwarzlicht gearbeitet, was dem “Maskenball” noch einmal eine ganz andere Note verlieh.

Umso mehr Beachtung verdient diese Theaterinszenierung, da sie komplett von Laienschauspielern hervorgebracht wurde, ohne professionelle Hilfe oder Anleitung durch einen erfahrenen Theatermenschen. Das Ergebnis lässt sich wirklich sehen, und so verschwindet auch jeder kleine Versprecher unter dem tosenden Applaus und Gelächter des Publikums.

Ich glaube, ich seh mir das Spektakel noch einmal an! :)

Bis Samstag wird es noch drei Aufführungen geben. Wenn ihr also wieder einmal von Herzen lachen möchtet, lege ich euch nahe, dem Poetischen Anfall einen Besuch abzustatten.

Wann? 27., 29. und 30. Mai 2009, 20h
Wo? Theatersaal der Hauptmensa, Turmstr. 3, Aachen
Eintritt: 5€, Karten gibt es beim AStA zu kaufen


Auf der Homepage der Theatergruppe gibt es auch Fotos und aktuelle Pressemeldungen.

16. Mai 2009

Die neue Platte von Phantom/Ghost



phantomghost Das vierte Album des Zwei-Mann-Projektes mit dem mystischen Namen Phantom/Ghost, bestehend aus Dirk von Lowtzow und Thies Mynther, ist vor kurzem erschienen und trägt den schönen Titel Thrown Out Of Drama School.
Es scheint die logische Folge der bisherigen Veröffentlichungen zu sein. Fing die musikalische Laufbahn des Duos mit elektronischen Klängen an, die teilweise recht schwer zugänglich waren, wirkt Thrown Out Of Drama School nun wie eine Weiterentwicklung des spartanischen Willow vom letzten Album Three: Thies begleitet Dirks markante Stimme auf einem eigens für dieses Album zusammengebastelten Klavier. Das verleiht dem Ganzen ein weniger mystisches Gewand; man hat eher den Eindruck, man befände sich auf einem Kammerkonzert in einem spärlich beleuchteten Turmzimmer oder auf einem altertümlichen Varietéfestival.
Die Texte sind greifbarer. Es geht nicht mehr um Geister und Phantome, sondern um Tänzer, Schauspieler, Künstler im Allgemeinen.

Ich finde diese Platte wirklich äußerst gelungen! Kurz und bündig, ohne viele Schnörkel, und dabei dennoch nicht simpel. Dirk von Lowtzows Stimme sticht natürlich besonders heraus – gerade wenn er auf englisch singt, hat das einen ganz besonderen Flair, wie ich finde. Dank dieses minimalistischen Arrangements bekommt sogar ein You’re My Mate von dem Trash-Pop-Duo Right Said Fred einen neuen Anstrich, und wirkt nun alles Andere als trashig.
Der Titelsong ist ein zerbrechliches Gebilde, in dem Dirks Stimmspektrum so richtig zum Ausdruck kommt. Gänsehaut pur!
Meine persönlichen Favoriten sind jedenfalls Thrown Out Of Drama School, The Process und You’re My Mate. Allerdings ist es müßig, einzelne Lieder herauszupicken. Das, was diese Platte zum Kunstwerk macht, ist ihre Gesamtkonzeption.

Definitiv hörens- und liebenswert!

15. Mai 2009

Die physikBlog-Expedition zum Science Express



Jeder, der mich halbwegs gut kennt, weiß, dass ich mich von allem, was aus Formeln, Atomen oder Elektronen besteht, möglichst fern halte. Mein physikalisches Wissen bezieht sich im Großen und Ganzen auf die Fähigkeit, eine Glühbirne zu wechseln, die Milchkanne so zu schwenken, dass die Milch nicht herausschwappt (Fliehkraft und so, jaha!), und einen Stromkreis à la Physikunterricht zu zeichnen1. Gut, vielleicht noch das ein oder andere mehr, aber wenn es ins Detail geht, schalte ich auf Durchzug. Es gibt doch wirklich nichts Langweiligeres!

Nun traf es sich aber, dass sich bei der pl0gbar in Aachen die Physiker tummeln und der Andi und der André gleichzeitig die Betreiber des physikBlogs sind. Ich hab mir diesen Blog bisher nicht wirklich angeschaut (weil Thema Physik und langweilig und so), aber jetzt haben die beiden die erste physikBlog-Exkursion angeleiert, und – Tatsache! – ich war mit dabei.

Ziel des Ausflugs war der Aachener Hauptbahnhof, an dem zur Zeit der Science Express Halt macht. Dieser umgebaute Zug tourt derzeit im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2009 quer durch Deutschland und in seinem Inneren befindet sich allerhand Ausstellungsgedöns zur Wissenschaft an sich. Sprich: Physik, Chemie, Medizin, Biologie, Technologie, alles ist dort vertreten. Hört sich ja auch eigentlich ganz cool an!

Die Exkursion startete heute um 14h und fühlte sich tatsächlich irgendwie an wie ein Klassenausflug oder so etwas. Andi und André – als die Chefs usw. – kamen beide in seriösem Partnerlook und ich hatte unter den ganzen Naturwissenschaftlern etwas das Gefühl, der einzige Laie zu sein. Aber tatsächlich war es ganz interessant! Auch für Laien.

Gut, die ersten drei Waggons fand ich echt nicht so pralle. Atome, Geräte, um Licht in der Erde zu messen, andere Geräte, deren Sinn sich mir verschloss, Zellstrukturen, Urknalltheorien. Natürlich alles sehr nett gemacht, aber das ist einfach nicht so meine Materie. Danach fand ich es allerdings immer interessanter. Da ging es um Gehirnfunktionen, Globalisierung durch digitale Netzwerke, neue Technologien, Roboter, zukünftige Ressourcen für Energie und Nahrung2, die Auswirkungen des Klimawandels, Mobilität und die Zukunft der modernen Gesellschaft. Zwischendurch konnte man sich bei Führungen einklinken und ein bisschen den Ausführungen des Führers lauschen; da hatte ich dann tatsächlich das Gefühl, ich lerne etwas.

Also ich muss sagen, ich bin wirklich positiv überrascht! Die ganzen aufgezählten Themengebiete zähle ich irgendwie gar nicht so zur Wissenschaft an sich, für mich sind das immer nur die großen drei Naturwissenschaften. Aber es gibt ja eigentlich noch viel mehr, vor allem eben auch Dinge, die tatsächlich relevant sein können oder es schon sind. Und natürlich ist das ganze Interieur des Zuges sehr nett gemacht, man kann viel selber ausprobieren und sich alles genau anschauen. Nur leider ist es, da es eben immer noch ein Zug ist, ziemlich eng. Vor allem, wenn Schulkinder durch die Gänge toben. Aber das lässt sich ja nicht vermeiden. Und mit dem Interesse für Wissenschaft kann man ja nie früh genug anfangen – und nie zu spät! ;)

  1. Pluspol, Kabel, Glühbirne (also ein Kreis mit x), Kabel, Schalter, Kabel, Minuspol, fertig.[]
  2. Hier gab es ein Modell von einem sich selbst versorgenden Haus – genau so, wie Max mir das mal beschrieben hatte! Absolut spannend![]

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