26. März 2009

Hilfe, die Webnerds kommen!



Tatsächlich hatte ich ja immer etwas Angst davor, ein Webnerd zu werden. Webnerds (oder Computerfreaks1 ), das sind diese kleinen bebrillten Leute, die tagaus, tagein in ihrem Keller hocken, die die Power-Taste ihres bis zum Gehtnichtmehr getuneten Laptops quasi nie benutzen, die nur über Miranda oder andere Alternativprogramme zu ICQ oder MSN soziale Kontakte aufrecht erhalten, und natürlich in sämtlichen sozialen Netzwerken von Myspace bis Twitter vertreten sind. Wenn man ihren Namen bei Google eingibt, kann man ihren Lebenslauf lückenlos rekonstruieren. Das Web 2.0, HTML und CSS sind für sie wie die Luft zum Atmen für die Normalos, und ihre geistige Nahrung beziehen sie lediglich aus Internetforen, Google und der Wikipedia.

Nein, zu dieser Art Mensch wollte ich gewiss nicht gehören, und doch: Ich muss mir wirklich eingestehen, dass einige der obigen Beschreibungen tatsächlich auf mich zutreffen. Andere wiederum überhaupt nicht.
Ja, ich habe einen Blog, benutze Twitter, StudiVZ, Facebook und Last.fm exzessiv. Ich überblicke grob die Entwicklungen des Web 2.0, wenn auch ohne allzu großes technisches Know-How, und HTML und CSS sind mir nicht vollkommen fremd. Ich könnte nie ein Template selbst schreiben und weiß auch nicht, was es mit eigenen Servern etc. auf sich hat. Aber ganz so fremd ist mir diese Welt dann ja doch nicht.

Andererseits kann ich guten Gewissens behaupten, dass ich ICQ und Skype nur als zusätzliche Kontakthaltungsmethoden verwende. Ich gehe immer noch oft genug nach draußen und treffe meine Freunde im real life. Ich habe auch noch andere Hobbies und Interessen und sitze gewiss in keinem Kellerloch.

Dennoch, das Internet bedeutet mir mittlerweile eine ganze Menge. Abgesehen von den Vorteilen sozialer Netzwerke im Bezug auf das Halten von Kontakt über größere Distanzen, auch ohne direkten Austausch, bieten Netzwerke wie Twitter die Möglichkeit, einfach und unverbindlich mit Personen, Organisationen und anderen Einrichtungen in Kontakt zu treten. So zum Beispiel auch mit der Lieblingsband, Musikmagazinen, Politikern, Podcasts, Nachrichtenmagazinen, und und und. Die Möglichkeiten sind quasi unerschöpflich. Nicht umsonst hat Obama Twitter für seine Wahlkampagne benutzt. So erreicht man eben auch Menschen, die sonst eventuell gar kein Interesse gezeigt hätten. Tatsächlich bemerke ich immer mehr, wie engagiert und interessiert Blogger und Konsorten am Weltgeschehen sind. Die häufigsten Themen der Blogs, die ich regelmäßig besuche, drehen sich natürlich um Internet und Web 2.0, aber auch mindestens ebenso häufig um Politik und Popkultur. Diese Schlagworte begegnen einem immer wieder, und da ist es wohl das Falscheste zu behaupten, Internetmenschen lebten lediglich hinter ihrem Bildschirm ohne Kontakt zur Außenwelt. Das ist übrigens auch etwas, das mich schwer beeindruckt und die ganze Sache mit so interessant macht! Ebenso beeindruckend finde ich die Kreativität, die Blogger verbindet. Sei es durch das Schreiben an sich, Fotografie oder ein besonders ausgefallenes Design. Dies alles sind Ergebnisse kreativer Prozesse, die nicht zu verachten sind.

Natürlich kann man jetzt wieder mit der Diskussion über Datenschutz und Seelenstriptease im Netz anfangen. Da ist ja auch durchaus etwas Wahres dran. Allerdings denke ich, solange man sich dieser “Gefahr” bewusst ist und nicht denkt, das was man da schreibt, können nur Freundeskreis und Familie lesen, sondern theoretisch die ganze Welt, ist man in der Lage, verantwortungsbewusst mit persönlichen Informationen umzugehen. Selbstverständlich ist mein Blog sehr privat, ebenso manche meiner Twitter-Nachrichten; aber irgendwo hat es eben dann doch Grenzen. Gewisse Dinge, die mich beschäftigen, über die ich mich ärgere oder freue, Details, die ich tatsächlich nicht mit der ganzen Welt teilen möchte, finden auch keine Erwähnung. Manch einer mag sagen, dass ich immer noch viel preisgebe. Mag sein, doch ich finde den Austausch von den verschiedensten Weltansichten zu spannend, um darauf verzichten zu wollen. Genauso gerne wie ich selbst Artikel in meinem Blog veröffentliche, lese ich mir auch welche auf anderen Blogs durch, und es ist tatsächlich bemerkenswert, wie sehr einem der eine oder andere Artikel zu denken gibt.

Informationsmedien wie Zeitung, Radio und Fernsehen haben sicherlich auch ihre Qualitäten, aber in keinem anderen Medium findet so ein reger Gedankenaustausch von den unterschiedlichsten Menschen statt. Ich finde das großartig und habe nicht vor, das in nächster Zeit einzugrenzen, trotz aller Debatten, die Twitter und Co. heraufbeschwören.

Laut Kris bin ich ja tatsächlich ein Webnerd … Und mittlerweile kann ich auch nur noch schwerlich dagegen reden.
Immerhin spiele ich zur Zeit mit dem Gedanken, im April zur pl0gbar in Aachen zu gehen; dorthin, wo die wirklichen Internetfreaks sitzen ;)

  1. Wobei es hier sicher auch fundamentale Unterschiede gibt. Die werden in dem Wiki-Artikel auch schön zusammengefasst. Also Webnerd ≠ Computerfreak. Hätten wir das geklärt.[]

24. März 2009

Ein Musiktipp von Emilíana



Gestern Abend habe ich noch die zweite Hälfte vom Einslive Kassettendeck mit Emilíana Torrini gehört. Sie hat sehr schöne Lieder ausgewählt, eins davon hat mir besonders gut gefallen. Und das möchte ich euch auch nicht vorenthalten:

23. März 2009

Ein Buch, das das Herz berührt



bucherdiebin1 Gestern habe ich Die Bücherdiebin von Markus Zusak zuende gelesen.

Ein Wort. Ein Gefühl. Großartig!

Mir kamen schon auf Seite 30 das erste Mal die Tränen, zwischendurch auch immer wieder, aber die letzten hundert Seiten waren der absolute Wahnsinn. Schluchzend, als ob ich selbst von den Ereignissen auf den letzten Seiten betroffen gewesen wäre, nahm ich Anteil daran. Ich wurde mit hineingezogen in das Geschehen, die Worte waren so überwältigend, die Geschichte so atemberaubend, und die Charaktere waren mir im Laufe des Romans so vertraut geworden.

Die Geschichte lässt sich nicht direkt greifen. Es ist eher die Art, wie sie erzählt wird, die so fesselnd ist. Die Protagonistin ist Liesel, ein kleines Mädchen, das im Alter von neun Jahren zu Pflegeeltern kommt, da ihre leibliche Mutter zu arm ist, um sie ernähren zu können. Das Ganze spielt während des Zweiten Weltkriegs in einer Kleinstadt in der Nähe von München. Nachdem Liesel sich einmal an die neue Umgebung der Himmelstraße gewöhnt hat, schließt sie Freundschaft mit Rudi Steiner, liebt ihren neuen Papa über alles, und hilft ihren Pflegeeltern dabei, einen Juden zu verstecken, den sie ebenso ins Herz schließt wie er sie. Liesels Leidenschaft sind Bücher – oder genauer: das Stehlen von Büchern. Die Geschichte wird von dem zweiten Protagonisten des Romans erzählt: dem Tod höchstpersönlich, der sich als überaus menschlich erweist und dem Liesel ebenfalls das Herz stiehlt.

Diese Geschichte eines Kindes inmitten der Kriegswirren ist so herzzerreißend geschrieben, so naiv und dennoch klug. Die Perspektiven von Liesel und dem Tod vermischen sich ständig und der Lesefluss wird immer wieder durch Einwürfe des Todes unterbrochen, in denen er dem Leser Einblick in sein Wissen gibt, das sich von dem Liesels unterscheidet. Er greift auch zukünftigen Ereignissen vor und fügt hier und da seine Sicht der Dinge ein. Hier nimmt er die Rolle des allwissenden Erzählers an, doch er ist immer noch beschreibend, nicht wertend. Er urteilt nicht, er versteht die Menschen, egal ob sie Hitler treu sind oder sich gegen ihn richten. Am meisten versteht der Tod Liesel Memminger, deren Schicksal im Grunde bloß eines von vielen ist. Der Tod ist kein grausamer Sensenmann, er erledigt seine Aufgabe so sanft wie möglich und sieht sich als Knecht einer höheren Macht. Nicht er ist Schuld daran, dass Menschen sterben, die Menschen selbst verursachten den Krieg, entwickelten Waffen und löschten sich gegenseitig aus.
Das Buch führt dem Leser vor allem die Macht der Worte vor Augen, die einerseits zu Schrecklichem missbraucht werden können, die andererseits aber auch Hoffnung darstellen, Frieden geben können und Geschichten erzählen – sei es die des Juden Max, sei es die der Bücherdiebin oder gar die des Todes.

Man muss dieses Buch langsam und aufmerksam lesen, sich auf die zunächst verwirrenden Perspektiven einlassen, man muss sich jedes Wort auf der Zunge zergehen lassen und so lernen, welche Farben der Himmel haben kann.

Als ich gestern das Buch aus der Hand legte, hatte er die Farbe von milchigem Weiß, das sich mit dem Glänzen von Kinderaugen vermischte.

Bitte lest dieses Buch, es ist ein wahres Meisterwerk.

Wegweiser

Letzte Kommentare


Gezwitschert

Twitter Updates

    follow me on Twitter




    Musikalisch

    Meine Lieblingskünstler der Woche bei last.fm:





    Blogroll

    Vergangenheit

    Aufgeräumt

    Stichworte