Sigur Rós – Mir fehlen die Worte!
Eigentlich sollte ich ja zuerst über das Haldern Pop Festival schreiben, um die chronologische Reihenfolge einzuhalten. Aber nach gestern Abend muss ich einfach ein paar Worte über das Konzert gestern im Palladium loswerden – das magische, gigantische, mitreißende Konzert von Sigur Rós!

Lange habe ich darauf gewartet, mich den Atem anhaltend darauf gefreut. Und gestern war es dann endlich so weit! Blöderweise ein wenig zu spät für Ólafur Arnalds, aber zum Glück rechtzeitig für den Auftritt der anderen vier Isländer kamen Sophia und ich am Palladium an. Die Halle war brechend voll und mit Mühe und Not ergatterten wir uns einen Platz relativ weit am Rand, aber mit einigermaßen guter Sicht auf die Bühne. Und nach Minuten, die mir wie Stunden vorkamen, traten sie dann schließlich auf die Bühne. Jónsi, Kjarri, Orri und Goggi, begleitet von vier Streicherinnen. Alle in merkwürdige Kostüme gehüllt und sich schweigend zu ihren Instrumenten begebend.
Das erste Lied war direkt einer der Höhepunkte! Svefn-g-englar – eins der wohl schönsten Lieder, die je geschrieben wurden. Einfach Wahnsinn! Jónsi spielte seine Gitarre wie so oft mit einem Cellobogen und erzeugte damit diese für Sigur Rós typischen, völlig fremdartigen, eindringlichen Töne, die mir eine Ganzkörpergänsehaut bescherten. Svenf-g-englar ist an sich schon zehn Minuten lang, auf der Bühne dauerte es bestimmt noch länger – und ich hätte mir dennoch gewünscht, dass es nie aufhören würde. Denn irgendwann wurde ich mit tosendem Applaus seitens des Publikums aus meiner isländischen Traumwelt herausgerissen, um kurz darauf bei dem nächsten Lied – Glósóli – sofort wieder darin zu versinken.

Es wurden viele Lieder vom Album Takk … gespielt, einige ältere von Ágætis Byrjun und auch eine Auswahl neuer Lieder, von denen ich nur eins kannte. Eine wunderbar aufeinander abgestimmte Auswahl, bei der ich kaum etwas vermisste. Insgesamt war eigentlich das ganze Konzert ein einziger Höhepunkt, dennoch stachen manche Lieder besonders hervor.
Eins davon war Sé Lest. In der Mitte des Liedes dachte ich nämlich: “In dem Film Heima kommt an dieser Stelle eine Blaskapelle auf die Bühne …” – und dann kam sie! Genau wie auf der DVD! Ganz in weiß gekleidet, mit Frack und Hut, marschierten sie quer über die Bühne und stellten sich anschließend in einer Reihe auf, um bei den folgenden Stücken mitzuspielen. Großartig!

Ein weiterer Höhepunkt war das letzte Lied vor der Zugabe, Gobbledigook, eins der Lieder vom neuen Album. Zunächst wurde das Publikum zum Mitklatschen animiert, was nicht schwer fiel, da die meisten das Lied (möglicherweise wie ich von dem Video) natürlich schon kannten. Die Bühne verwandelte sich im Nu von einem nebeligen, von Elfen bewohnten Zauberwald in einen bunten, lebendigen Zirkus. Es wurde geklatscht und getrommelt, dass es eine Freude war! Sowieso unterscheidet sich dieses Lied stark von den bisherigen. Beim musikalischen Höhepunkt des Liedes schossen wasserfallartige Konfettifontänen ins Publikum und auf die Bühne. Wunderwunderschön!
Nach dem Lied und unter tosendem Applaus verließ die Band dann die Bühne, kam aber kurze Zeit später, um eine Wahnsinnszugabe zu geben, nämlich Untitled #8 / Popplagið. Eine wirklich sehr beeindruckende Live-Performance!
Nach dem Lied verschwanden Sigur Rós wieder hinter der Bühne, um kurz darauf wieder aufzutauchen und sich unter dem nicht abklingenden Applaus wie im Theater vor dem Publikum zu verneigen. Dasselbe Spiel wiederholte sich noch einmal und als die Isländer zum vierten Mal auf die Bühne traten, nahmen sie auch endlich wieder ihre Instrumente zur Hand. Das letzte Lied des Abends kam vom neuen Album, All alright. Es war irgendwie befremdlich, dass Jónsi auf englisch sang, da gefällt mir das Isländische doch eindeutig besser :) Nach diesem Lied gingen sie dann endgültig von der Bühne.
Insgesamt bin ich schwer beeindruckt. Beeindruckt von Jónsis Stimme – der Vielfalt an Musikinstrumenten – der stillen Harmonie, die zwischen den Bandmitgliedern herrscht – davon, wie man ohne zu reden so viel sagen kann, nämlich durch die Musik. Ich verstehe kein einziges Wort und dennoch berührt mich diese Musik so intensiv. Leider war es insgesamt etwas kurz … ich hätte noch stundenlang zuhören können …
Obwohl es ein so ganz wunderbares, fantastisches Konzert war, muss ich doch noch einmal kurz meckern. Ich verstehe einfach nicht, wie Leute, die zu Sigur Rós gehen, anstatt zuzuhören, die ganze Zeit durchlabern können! Einer dieser Idioten stand direkt neben mir. Es ist doch einfach unglaublich, nur weil ich ihn zweimal zurechtweisen musste, habe ich ein paar Momente dieses Konzerts verpasst! Arschloch. So, Dampf abgelassen :)
Das nächste mal Sigur Rós bitte im Gleis 22 oder im Spiegelzelt :) Ich gehe jetzt weiter träumen … :)
Einen weiteren schönen Bericht mit Setlist gibt es hier.
Und hier ein paar gelungenere Fotos als meine ;) Alle Fotos in diesem Artikel stammen ebenfalls von Flickr.
