31. August 2008

De Beschaving 2008



Gestern war der große Tag, auf den ich mich so gefreut hatte, seit Sophia mir “davon”:http://vreni.dasblogt.de/article/222/utrecht-rockt-den-sommerutrecht-rockt-den-sommer erzählte. Gestern sind Kris, Sophia und ich nach Utrecht zu de Beschaving gefahren!
Leider haben wir uns schon direkt zu Anfang verfahren und weil wir sowieso ziemlich spät losgekommen waren (…), haben wir dann leider die erste Band des Tages verpasst, Friska Viljor. Wirklich schade, aber wir haben es ja schließlich doch noch geschafft und sind so pünktlich zu Get Cape. Wear Cape. Fly. beim Festivalgelände angekommen, d.h. Sophia und Kris haben sich stattdessen Pete and the Pirates angeguckt, die wohl auch sehr toll waren. Get Cape usw. haben mir jedenfalls sehr gut gefallen, viel besser als auf Platte! Wirklich sehr schöne Live-Lieder :)

Bevor ich jetzt noch weiter von den Bands erzähle, muss ich noch eben anmerken, wie unglaublich nett das ganze Festival gestaltet war! Bunt war die dominierende Farbe: überall wehten Fähnchen, bunte Zelte, in denen sich die Bühnen befanden, überall Blümchen und nette Kleinigkeiten. Es gab neben dem üblichen Merchandise-Stand auch eine ganze Reihe anderer Stände, die Schmuck oder Klamotten verkauft haben, sowie zahlreiche Fressbuden, die aber auch alle so süß gestaltet waren. In einer großen Pfütze schwammen ganz viele Gummienten! Es gab Sofas, richtige weiche Sofas, auf denen man sich ausruhen konnte, und die mit Blümchen verziert waren, man konnte Dosenwerfen machen und Twister spielen. Einfach nur süß!!! :)
Dicker Minusepunkt waren allerdings die Preise: 2€ für 0,2l Bier, Cola oder sogar Wasser, und 4€ für ein olles Baguette mit Käse oder einen Pfannekuchen sind eben echt happig! Außerdem haben sich die Veranstalter selbst damit ins Bein geschnitten, dass es keine Pfandbecher gab. So sah der gesamte Platz hinterher aus wie eine Müllhalde, weil es zu wenig Mülleimer gab und es den Leuten meistens auch völlig egal war. Teilweise waren die Bandauftritte auch echt schlecht getimed, z.B. konnte man bei I am Kloot die ganze Zeit den Bass aus dem Partyzelt hören … schon scheiße sowas. Nunja :) Weiter im Text!

debeschaving2

Als nächstes wollten wir uns Air Traffic angucken. Allerdings kam der Auftritt nicht zustande, weil der Sänger aus ominösen Gründen in Paris war. Versteh das, wer will :D Schade drum. Also haben wir uns die Zeit damit vertrieben, ein bisschen rumzugucken und ich habe es nach langem Hin und Her tatsächlich geschafft, Sophia hinter die Fotostellwand zu kriegen, damit wir beide unsere Köpfe durch die Löcher stecken und ein Foto davon machen :) Ich fands einfach super! Später am Abend haben zwei Vollhonks ihre Hintern durch das Kopfloch gesteckt … nunja, war ja zu erwarten irgendwie :D
Wir haben uns dann ein bisschen den Auftritt von Hit Me TV angeschaut. Ich fand sie nicht schlecht, aber es hat mich jetzt auch nicht von den Socken gerissen.
Dafür war Adam Green umso besser! In sehr kurzem, weißen Langarmshirt mit schwarzen Troddeln an den Ärmeln kam er auf die Bühne, einfach nur total bekloppt, aber unglaublich sympathisch! Und der Mann hat eine Wahnsinnsstimme! Dafür irgendwie kein Rhythmusgefühl. Jedenfalls bewegte er sich ohne irgendeinen Bezug zur Musik über die Bühne, Arme und Beine irgendwie in die Luft schwenkend. Egal! Ich fand ich super :)

Nach Adam Green wollten wir uns The Dodos ansehen. Die haben ja auch schon auf dem Haldern gespielt, aber irgendwie fand ich sie immer noch nicht so umwerfend, sondern eher langweilig … vielleicht muss man sich da auch nur reinhören, ich weiß es nicht. Dem Auftritt haben wir aber eher sitzend beigewohnt, denn da war er, der müde Punkt ;) Wir sind dann ein wenig rumgelaufen, haben uns die Stände angeguckt, ein bisschen bei Mystery Jets zugehört, und dann ging es ins große Zelt zu Kaizers Orchestra.

Während Kris und Sophia eher am Rand blieben, stellte ich mich mitten in die Menge – auf diesen Auftritt hatte ich mich schon so gefreut! Und dann kamen sie auf die Bühne – Totengräbern gleich, alle in schwarz und keine Miene verziehend, nur der Sänger begrüßte lachend das Publikum. Der Organist, der am totengräberähnlichsten aussah – schlug in die Tasten und stimmte damit Ompa til du dør an. So gut! Ich war vollkommen fasziniert. Im Laufe des Konzerts schlugen Gitarrist und E-Bassist sowie der Organist im Takt mit Eisenstangen auf Blechfässer ein und erzeugten damit diesen einzigartigen Kaizers-Sound. Ein anderes Mal sprang der Sänger auf eins der Fässer, dann wieder Gitarrist und E-Bassist, die ihre Instrumente auf den Fässern stehend bearbeiteten. Sie spielten ziemlich viele Lieder, die ich kannte, und ich fand es einfach gigantisch! Die würd ich gerne nochmal so auf einem Konzert sehen, aber die kurze Stunde auf dem Festival haben sie wirklich gut gefüllt! :)

Danach taten meine Beine aber wirklich weh (zu norwegischer Musik kann man wirklich gut tanzen!) und wir haben uns etwas zu essen gekauft (ja, trotz der astronomischen Preise …) und uns ein bisschen The Cribs und dann Esser angehört. Leider nur aus der Ferne, dafür aber weich sitzend auf einem der tollen mit Blumen bestickten Sofas, die überall herum standen :) Esser hat mir wirklich gut gefallen, unbedingt mal bei Myspace reinhören! Inzwischen war es schon dunkler und kühler geworden und wir alle ein bisschen müde. Aber das Beste kam ja noch! Um 21:15 sollten I am Kloot spielen!

Ich bin schon ein wenig früher dort hin gegangen und konnte so den Soundcheck miterleben, den die Band selbst vornahm. Storm warning unplugged, wunderschön :) Johnny hatte die Haare ganz kurz, in “Amsterdam”:http://vreni.dasblogt.de/article/204/fucking-beautifulfucking-beautiful hatte er noch so viele Locken gehabt, dass er jetzt ganz ungewohnt aussah. Aber was solls, man erkennt ihn so oder so an seiner Stimme!
Sie haben eine ähnliche Auswahl wie im Melkweg gespielt, einige Stücke von der neuen Platte und eigentlich alle, die ich mir gewünscht habe: Astray, From your favorite sky, Because, Hey little bird, Twist und I believe. Sie waren grandios, einfach toll, und doch war es nicht das beste Konzert. Das lag aber nicht an der Band, sondern am Drumherum. Die Veranstalter hatten da irgendwie die Relationen von Laut und Leise nicht ganz verstanden. Zeitgleich lief nebenan im Partyzelt übelste Dance-Musik und die Bässe dröhnten die ganze Zeit zu uns herüber, was mich wahnsinnig gestört hat. Außerdem meinten so ein paar besoffene Holländer-Kerle, bei Life in a day mitgröhlen zu müssen. Wär ich 30 cm größer und ein bisschen versierter in Faustkämpfen gewesen, hätte ich nicht übel Lust gehabt, ihnen eine reinzuhauen. Das ist doch scheiße sowas!
Naja, aber wie gesagt, die Band war fantastisch und ich freue mich schon auf I am Kloot in Köln Ende Oktober :)

Nach I am Kloot waren wir alle ziemlich groggy und beschlossen, den Heimweg anzutreten. Da war es gerade mal halb elf und wir freuten uns schon, relativ früh im Bett zu sein. Wir wollten erst Sophia nach Nimwegen bringen und Kris und ich würden dann von dort nach Münster fahren. Drei Stunden Fahrt, sagte uns Google Maps. Nunja, leider führten eine beschissen ausgeschilderte holländische Umleitung, ein kilometerlanger Stau, dessen Ursache unergründlich war, und der Nichtbesitz einer Straßenkarte dazu, dass wir insgesamt fünf Stunden brauchten … also mit anderthalb Stunden im Stau stehen, Sophias Sachen ausladen, den Weg aus Nimwegen herausfinden und Fahrer- und Beifahrersitz wechseln. Ich war um 4h im Bett und dementsprechend unproduktiv war der heutige Tag … nunja. Trotzdem: gelohnt hat es sich auf jeden Fall! :)

21. August 2008

Haldern Pop 2008



Man könnte sagen, dass ich mich momentan auf einem musikalischen Höhenflug befinde. Letztens erst Sigur Rós und zwei Tage vorher noch das Haldern Pop Festival! Wie soll man da ein lautes Jauchzen noch unterdrücken können! :)

haldernmosaik

Dieses Jahr war es mein zweites Haldern – insgesamt aber das 25. Ein Vierteljahrhundert gibt es dieses kleine, nette Festival nun schon, und es hat schon viele großartige Bands gesehen, die ich leider verpasst habe … im Vorhinein wurde ja in diversen Foren viel über das diesjährige Line-Up gemeckert. Es sei zu unspektakulär, es müsse doch etwas Großes dabei sein, und dann wieder, es sei zu kommerziell. Ich denke: es war genau richtig!

Leider habe ich das Gefühl, von der Musik weniger mitbekommen zu haben als letztes Jahr. Es war immer noch wunderbar, aber ich habe doch einige tolle Auftritte verpasst, u.a. von Ólafur Arnalds, Yeasayer, Fleet Foxes, Lykke Li und Alamo Race Track. Schade drum, aber man kann ja leider nicht alles mitnehmen. Dafür habe ich auch viele tolle Konzerte gesehen, von denen mir manche sicher noch lange in Erinnerung bleiben werden!

Die erste und einzige Band, die wir am Donnerstag gesehen haben, waren die Flaming Lips. Leider sind wir nicht mehr ins Zelt gekommen, da wir ein wenig spät dran waren. Außerdem war ich an diesem Tag besonders müde, was darin resultierte, dass Sophia und ich uns nur den halben Auftritt der Flips angeschaut haben. Die Musik ist nicht ganz mein Fall, aber ich muss zugeben, die Bühnenshow war gigantisch! Wie der holländische Ansager richtig sagte: “Die größte Kindergeburtstagsparty!” – Luftballons, Konfetti, Teletubbies – und der Sänger in einem riesigen Plastikball, alles war da! Das muss man einfach gesehen haben:

Übrigens habe ich natürlich die Überraschungsgäste verpasst! Nach den Flaming Lips haben noch Fettes Brot (!) im Spiegelzelt (!) gespielt! Naja, wenn man davon ausgeht, dass wir eh total müde waren, hätte mich das an dem Abend auch nicht mehr umhauen können. D.h. irgendjemand hatte das auch erzählt und wir hatten natürlich Musik aus dem Zelt auf dem Zeltplatz gehört. Aber so richtig realisiert habe ich es erst später – und mich wahnsinnig geärgert. Gerade auch bei den ganzen Videos, die jetzt bei Youtube online sind … grummel … Egal! :)

Freitag war ich super ausgeruht. Immerhin hatte ich fast neun Stunden geschlafen – und dank meiner Klappmatratze sogar recht bequem ;) So macht campen doch Spaß! Sophia und ich hatten mit Lukas, Maria, Thomas, Rosa, Alex und Jean-Yves ein kleines Zeltdorf gebildet. Das war eine richtig gute Sache, und ich darf wohl behaupten, dass wir ziemlich viel Spaß hatten, u.a. mit Werwölfe und Personenraten spielen, frühstücken, Pavillion aufbauen und eine Pinkelbarrikade für die Herren der Schöpfung aus zusammengeknoteten Müllsäcken bauen. Dieser männliche Trieb, sich überall hinzustellen und es laufen zu lassen, ganz egal, ob zwei Meter weiter Leute frühstücken oder sich die Zähne putzen, ist wirklich das Unnötigste und Unverschämteste, was es gibt. Tztztz! Nunja, immerhin hat unsere Barrikade ein bisschen geholfen ;)

Jedenfalls haben wir Freitag auch einige wunderbare Bands gesehen. Ganz vorne dabei natürlich Gisbert zu Knyphausen!!! :) Ich hatte ein paar Stunden vorher schon ein Autogramm abstauben können, nachdem Lukas, Sophia und der dicke, nette Security-Mensch mich dazu überredet hatten, zu Gisbert hin zu gehen und hallo zu sagen. “Der ist sehr nett, der hat schon ein paar Bier intus”, beruhigte mich der Security-Mann. Und nett war er wirklich, und ich unglaublich aufgeregt, was natürlich dazu führte, dass ich mich in Lobeshymnen über ihn ergoss. Leider hat er meine Musikwünsche nicht beachtet … dabei hätte ich so gerne Kleine Ballade oder Wer kann sich schon entscheiden gehört … Lukas’ Spieglein Spieglein kam ja zumindest in der Zugabe dran. Naja, aber großartig war es natürlich trotzdem :)
Auch schön war My Brightest Diamond – die Frau mit der unglaublichen Haartolle und Gesichtstattoo -, Bernd Begemann – ich sag nur dick und lustig :D – und Kula Shaker. Die Kilians waren auch ziemlich gut – und dass, obwohl ich sie jetzt zum vierten Mal gesehen hab. Es wirkt auf einer großen Bühne eben doch anders als in einem kleinen, schwitzigen Kellerraum. Jack Penate habe ich leider wegen eines zeitgleichen Regengusses verpasst. Statt klitschnass vor der Bühne zu stehen, haben Sophia und ich also lieber im Zelt Stadt, Land, Fluss gespielt und uns das Ganze von dort aus angehört. Leider nur halb so geil.
Ziemlich gut war auch die für uns letzte Band des Abends: die Editors! Ein wirklich sehr guter Live-Auftritt! Ich war tatsächlich positiv überrascht :)

Am Samstag war dann von Regen nichts mehr zu sehen! Zumindest tagsüber. Morgens starteten wir den Tag mit etwas, das wir letztes Jahr tatsächlich mehr als verpasst haben: schwimmen im See! Nur ein paar Minuten Fußweg vom Campingplatz entfernt, quasi direkt neben dem Festivalgelände, liegt ein wunderschöner See. Nicht besonders groß, aber groß genug, um ordentlich schwimmen zu können. Das Wasser war sogar relativ warm und es war einfach wunderschön, dort vor sich hin zu paddeln :)

Die Musik an diesem Tag war auch toll, leider habe ich aber auch hier viel zu viel verpasst.
Ganz groß waren auf jeden Fall Okkervil River! Nach meinem Geschmack hätten sie zwar ein paar mehr ruhige Stücke spielen können, aber ich will ja nicht meckern; so konnte man immerhin richtig mitgehen. Will Sheff, der Sänger, hat einfach eine Wahnsinnspower, und der Schlagzeuger war auch ziemlich gut. Insgesamt hatte man den Eindruck, die Band hat einfach Spaß auf der Bühne und gibt ihr Bestes, um diese Begeisterung auf das Publikum zu übertragen :) Hat bei mir auf jeden Fall geklappt!

Auch toll waren Iron and Wine. Obwohl es im Zelt nochmal anders gewirkt hätte, war es faszinierend, die Jam-Session, die Sam Beam und seine bunt zusammengewürfelte Band boten, mit anzusehen. Auch diese Band hätte ich etwas ruhiger erwartet, aber es war wirklich schön :)
Mit The National habe ich, wie ich fürchte, einen großen Auftritt des Abends verpasst, aber ich war einfach zu kaputt, um noch weiter zu stehen und habe mit das Konzert im Sitzen angehört. Das wirkte wohl nur halb so gut – jedenfalls kann ich es mir nicht anders erklären, dass alle anderen total begeistert waren. Naja, vielleicht ergibt sich ja nochmal die Gelegenheit!
Maximo Park bildeten dann den krönenden Abschluss dieses tollen Festivals. Also ich fand sie ganz nett, der Sänger sieht auch echt nicht schlecht aus ;) Aber so umgehauen hat mich das Ganze jetzt nicht. Mir ist es auch einfach ein bisschen zu elektronisch und ich war einfach schon total kaputt an dem Abend. Nichtsdestotrotz waren sie schon ganz gut :) Ein kleiner Schock war dann noch das Gerücht, dass Die Ärzte zeitgleich im Zelt spielen sollten! Das hat sich allerdings als Ente herausgestellt. Aber für ein paar Momente war ich doch wirklich verwirrt ;)

Insgesamt waren diese drei Tage Kühe, Musik und Haldern den Aufwand und die Reise allemal wert! Es war so entspannend, an nichts denken zu müssen, und sich einfach der Stimmung und der Musik hingeben zu können. Leider habe ich wohl einige tolle Bands verpasst, aber dafür auch andere großartige Auftritte gesehen. Außerdem hatte ich wirklich Spaß in unserer kleinen Zeltdorfcrew.

Noch 351 Tage bis zum nächsten Mal :) Ich freu mich jetzt schon!

Das Mosaik habe ich hier erstellt :) Den Tipp habe ich von Miriam.

12. August 2008

Sigur Rós – Mir fehlen die Worte!



Eigentlich sollte ich ja zuerst über das Haldern Pop Festival schreiben, um die chronologische Reihenfolge einzuhalten. Aber nach gestern Abend muss ich einfach ein paar Worte über das Konzert gestern im Palladium loswerden – das magische, gigantische, mitreißende Konzert von Sigur Rós!

sigurrosgrun

Lange habe ich darauf gewartet, mich den Atem anhaltend darauf gefreut. Und gestern war es dann endlich so weit! Blöderweise ein wenig zu spät für Ólafur Arnalds, aber zum Glück rechtzeitig für den Auftritt der anderen vier Isländer kamen Sophia und ich am Palladium an. Die Halle war brechend voll und mit Mühe und Not ergatterten wir uns einen Platz relativ weit am Rand, aber mit einigermaßen guter Sicht auf die Bühne. Und nach Minuten, die mir wie Stunden vorkamen, traten sie dann schließlich auf die Bühne. Jónsi, Kjarri, Orri und Goggi, begleitet von vier Streicherinnen. Alle in merkwürdige Kostüme gehüllt und sich schweigend zu ihren Instrumenten begebend.

Das erste Lied war direkt einer der Höhepunkte! Svefn-g-englar – eins der wohl schönsten Lieder, die je geschrieben wurden. Einfach Wahnsinn! Jónsi spielte seine Gitarre wie so oft mit einem Cellobogen und erzeugte damit diese für Sigur Rós typischen, völlig fremdartigen, eindringlichen Töne, die mir eine Ganzkörpergänsehaut bescherten. Svenf-g-englar ist an sich schon zehn Minuten lang, auf der Bühne dauerte es bestimmt noch länger – und ich hätte mir dennoch gewünscht, dass es nie aufhören würde. Denn irgendwann wurde ich mit tosendem Applaus seitens des Publikums aus meiner isländischen Traumwelt herausgerissen, um kurz darauf bei dem nächsten Lied – Glósóli – sofort wieder darin zu versinken.

sigurrosband

Es wurden viele Lieder vom Album Takk … gespielt, einige ältere von Ágætis Byrjun und auch eine Auswahl neuer Lieder, von denen ich nur eins kannte. Eine wunderbar aufeinander abgestimmte Auswahl, bei der ich kaum etwas vermisste. Insgesamt war eigentlich das ganze Konzert ein einziger Höhepunkt, dennoch stachen manche Lieder besonders hervor.

Eins davon war Sé Lest. In der Mitte des Liedes dachte ich nämlich: “In dem Film Heima kommt an dieser Stelle eine Blaskapelle auf die Bühne …” – und dann kam sie! Genau wie auf der DVD! Ganz in weiß gekleidet, mit Frack und Hut, marschierten sie quer über die Bühne und stellten sich anschließend in einer Reihe auf, um bei den folgenden Stücken mitzuspielen. Großartig!

sigurrosblaskapelle

Ein weiterer Höhepunkt war das letzte Lied vor der Zugabe, Gobbledigook, eins der Lieder vom neuen Album. Zunächst wurde das Publikum zum Mitklatschen animiert, was nicht schwer fiel, da die meisten das Lied (möglicherweise wie ich von dem Video) natürlich schon kannten. Die Bühne verwandelte sich im Nu von einem nebeligen, von Elfen bewohnten Zauberwald in einen bunten, lebendigen Zirkus. Es wurde geklatscht und getrommelt, dass es eine Freude war! Sowieso unterscheidet sich dieses Lied stark von den bisherigen. Beim musikalischen Höhepunkt des Liedes schossen wasserfallartige Konfettifontänen ins Publikum und auf die Bühne. Wunderwunderschön!

Nach dem Lied und unter tosendem Applaus verließ die Band dann die Bühne, kam aber kurze Zeit später, um eine Wahnsinnszugabe zu geben, nämlich Untitled #8 / Popplagið. Eine wirklich sehr beeindruckende Live-Performance!
Nach dem Lied verschwanden Sigur Rós wieder hinter der Bühne, um kurz darauf wieder aufzutauchen und sich unter dem nicht abklingenden Applaus wie im Theater vor dem Publikum zu verneigen. Dasselbe Spiel wiederholte sich noch einmal und als die Isländer zum vierten Mal auf die Bühne traten, nahmen sie auch endlich wieder ihre Instrumente zur Hand. Das letzte Lied des Abends kam vom neuen Album, All alright. Es war irgendwie befremdlich, dass Jónsi auf englisch sang, da gefällt mir das Isländische doch eindeutig besser :) Nach diesem Lied gingen sie dann endgültig von der Bühne.

Insgesamt bin ich schwer beeindruckt. Beeindruckt von Jónsis Stimme – der Vielfalt an Musikinstrumenten – der stillen Harmonie, die zwischen den Bandmitgliedern herrscht – davon, wie man ohne zu reden so viel sagen kann, nämlich durch die Musik. Ich verstehe kein einziges Wort und dennoch berührt mich diese Musik so intensiv. Leider war es insgesamt etwas kurz … ich hätte noch stundenlang zuhören können …

Obwohl es ein so ganz wunderbares, fantastisches Konzert war, muss ich doch noch einmal kurz meckern. Ich verstehe einfach nicht, wie Leute, die zu Sigur Rós gehen, anstatt zuzuhören, die ganze Zeit durchlabern können! Einer dieser Idioten stand direkt neben mir. Es ist doch einfach unglaublich, nur weil ich ihn zweimal zurechtweisen musste, habe ich ein paar Momente dieses Konzerts verpasst! Arschloch. So, Dampf abgelassen :)

Das nächste mal Sigur Rós bitte im Gleis 22 oder im Spiegelzelt :) Ich gehe jetzt weiter träumen … :)

Einen weiteren schönen Bericht mit Setlist gibt es hier.
Und hier ein paar gelungenere Fotos als meine ;) Alle Fotos in diesem Artikel stammen ebenfalls von Flickr.

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