Charlotte Roche liest “Feuchtgebiete” in Aachen



charlotteroche Gestern war sie nun endlich in Aachen, die bezaubernde Charlotte Roche, und im Gepäck hatte sie ihr skandal- und hype-umwogtes Buch Feuchtgebiete. Der Ballsaal in Aachen war ausverkauft und als sie in ihrem orangen Pullöverchen, der sich furchtbar mit dem Pink ihres Buches biss und deshalb umso mehr hervorstach, auf die Bühne gehüpft kam, war die allgemeine Freude groß und die Spannung darauf, was denn da kommen sollte, stieg ins Unermessliche. Nun, was soll ich sagen, sie las und las und las und das Publikum lachte, ekelte sich und lachte. So detailliert die Beschreibungen der ekligsten Stellen des menschlichen Körpers – über die man höchstens mal mit seiner besten Freundin spricht, und selbst dann nicht so direkt wie Charlotte es tut – auch waren, Charlotte las es ohne rot zu werden, ohne auch nur einmal ins Schleudern zu geraten, sondern mit genüsslichen Betonungen, die manchem Zuhörer sicher die Schamesröte ins Gesicht trieben. Als sie zu einer Gleitmittelmarke namens “Pjur” kam und diese Pijour aussprach, korrigierte sie ein Typ aus dem Publikum, es spreche sich wie man es schreibt, also wie das englische Wort pure. Charlotte machte ganz große Augen, man konnte quasi die Rädchen bei ihr rattern sehen, und dann sprang sie von der Bühne, rannte den Gang zwischen den Sitzreihen entlang, und bedankte sich bei dem mit Sicherheit im siebten Himmel schwebenden Gleitcremenamenbesserwisser mit Küsschen links und rechts. Auf die Frage, ob er es selbst benutzte, folgte ein klares Nein! ;) Ich glaube, wenn ich das Buch selbst gelesen hätte, hätte ich es nach ein paar Seiten weggelegt, aber wie Charlotte es vortrug, war es einfach nur gut. Vielleicht kaufe ich mir einfach das Hörbuch? Oder doch beides? :)
Nach der – wie ich finde, viel zu kurzen – Lesung durfte man noch Fragen stellen. Ich habe mich da mal schön zurückgehalten, während andere Leute fragten, wieviel von der Protagonistin Charlotte selbst sei – viel und auch viel nicht ;) -, was ihre Eltern dazu sagen – sie dürfen das Buch nicht lesen -, und ob sich schon Eltern beschwert hätten, weil ihre zwölfjährige Tochter Sachen aus dem Buch nachgemacht hätte. Alles in allem kann ich Miriams Begeisterung verstehen, mir ging und geht es ähnlich, einfach eine großartige Frau!

Foto von Welt online.

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