Gestern konnte endlich offiziell das Konzertjahr 2008 eingeläutet werden! Und zwar mit dem Doppelereignis, das sich den fröhlichen Namen Lesen und Singen mit Olli Schulz gegeben hatte und genau das hielt, was es versprach: Konzert plus Lesung.
Im Gegensatz zum letzten Mal haben wir das Gebäude 9 völlig problemlos gefunden – ziemlich barackig, aber es hat etwas und größer hätte die Location für dieses Event wirklich nicht sein dürfen.
Nunja, es ging fast pünktlich los, nämlich mit einem wunderbaren Einleitungsfilm ganz à la manière de GHVC, und Olli, in gediegenem Nadelstreifenhemd, Jacket und Jeans, trat auf die Bühne, die mit zwei nett arrangierten Tischen mitsamt Obst- und Süßigkeitenschale, und einem Mikro in der Mitte bestückt war. Allein die Vorgeschichte zu seinem Buch, die er nun präsentierte, hätte schon Bände füllen können. Das Buch gibt es übrigens noch nicht, da noch kein Verlag Interesse geäußert hat ;) Aber während der Lesung hat Rasmus Engler als Lektor immer wieder eingegriffen und fröhlich in dem – zugegeben – noch nicht ganz ausgereiften Text herumgestrichen. Auf jeden Fall fing Olli tatsächlich irgendwann an, zu lesen, und ich muss sagen: ich habe selten so ausgiebig gelacht. Da waren wirklich Geschichten bei, das geht auf keine Kuhhaut. Es ging im Großen und Ganzen um seine Erfahrungen als kleiner Backstagemann bei einem Europop- und Schlagerfestival in Güstrow. Einfach nur gut, wie er die Teenie- und Seniorenmusikwelt des letzten Jahrzehnts beschreibt! Natürlich ist er immer wieder abgeschweift, wie das so seine Art ist. Entweder hatte Olli ein wirklich ereignisreiches Leben oder aber er hat eine blühende Fantasie. Oder beides. Die Geschichten, die er zum Besten gab, kann man gar nicht wiedergeben, die muss man von Olli persönlich erzählt bekommen, und diese Chance sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen!
Nach einer kurzen Pause wurde dann ein wenig die Gitarre gezückt und ein paar ältere sowie neuere Lieder gespielt. Sehr gut war der kleine Vorgeschmack auf das neue Album von Olli Schulz & der Hund Marie. Hier hat Olli zwei Lieder von irgendwelchen lokalen Punkgrößen der 90er (oder so) in ein akustisches Gewand gezwängt, was aber wirklich großartig war! Die darin behandelten Themen waren ein Amoklauf auf Pelzträger und Deutschland aus der Sicht eines Staatsfeinds, wirklich sehr böse, aber äußerst gelungen! Es folgten Lieder wie Rückspiegel, Dann schlägt dein Herz, Die Ankunft der Marsianer und Unsichtbarer Vogel – allerdings war Olli leicht betrunken, oder nervös, oder er dachte, es sei lustig, jedenfalls hat er sich unglaublich oft verspielt, den Text vergessen o.ä. Das war schon etwas schade, aber ganz ehrlich, wenn man auf ein Olli Schulz Konzert geht, rechnet man eher weniger mit musikalischen Glanzleistungen und einer glatten Show, als mit einigen guten Lachern und einem sympathischen Möchtegernrockstar, der im Handumdrehen die Herzen all seiner Zuhörer gewinnt. Rock’n'Roll Lifestyle, baby! :)
Leider mussten wir rechtzeitig unseren Zug erwischen und konnten nicht ganz bis zum Ende bleiben. Wer weiß, wie lange Olli noch erzählt hat! Aber egal. Fazit: es hat sich wirklich gelohnt!