14. November 2007

Herzlichen Glückwunsch, Astrid



Liebe Astrid Lindgren,

herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Heute wärst du 100 Jahre alt geworden, eine stattliche Zahl, die wir alle gebührend für dich mitfeiern.

Wenn ich so zurückdenke, fallen mir viele gemeinsame Erlebnisse ein, mit dir habe ich gelacht und geweint, gehofft und mich geärgert; mit deiner Hilfe konnte ich mich in eine andere Welt träumen. Und kann es immer noch!

Als ich noch ganz klein war, wurde mir sicher aus deinen Büchern vorgelesen, später habe ich sie selbst verschlungen oder saß gebannt vorm Fernseher, um Michel zum zigsten Mal dabei zuzusehen, wie er in den Schuppen sprintet. Am liebsten mochte ich immer Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter, aber es ist schwer, alle anderen Geschichten hinten anzustellen. Die Brüder Löwenherz, Madita, die Kinder aus Bullerbü, Tjorven und Pelle von Saltkrokan und Mio, mein Mio – ich kenne sie alle so gut, obwohl ich selbst schon längst aus ihrem Alter heraus bin.

Noch vor ein paar Wochen habe ich Ronja aus dem Regal genommen und war für ein paar Stunden wieder im Mattiswald zu Hause, konnte für ein paar winzige Stunden das Rauschen des Glupperfalls und das Kreischen der Wilddruden hören. Und als Lovis ihr Wolfslied sang, kullerten mir selbst ein paar Tränen die Wangen herunter. Da kann ich nichts gegen tun, es passiert jedes Mal, auch wenn ich mir die Filme anschaue. Kaum ertönt die Anfangsmelodie von Madita, fange ich an zu weinen – weil das alles so schön ist!
Du hast eine Kindheit erschaffen, wie sie heutzutage die wenigsten erleben. Nicht, dass ich eine schlechte Kindheit hatte, das würde ich nie behaupten wollen, aber so ein Bilderbuchkinderleben, wie du es in deinen Büchern präsentierst, wird es wohl nur in ganz seltenen Fällen wirklich geben können.
Wenn ich die Leben dieser vielen Kinderherzen mit deinen Augen sehe, wünsche ich mir immer wieder, noch einmal genauso unbeschwert durch die Krachmacherstraße laufen zu dürfen, Sachensucher zu sein oder auf Karlssons Dach zu tanzen.
Du hast gezeigt, wie glücklich Kinder sein können und wie wenig dazu nötig ist.

“Oh, wie langweilig muss es sein, wenn man groß ist!”, heißt es bei den Kindern aus Bullerbü, und wie Recht sie haben! Ob da die Krummeluspille hilft, das wissen vielleicht nicht einmal Pippi, Tommy und Annika, aber was mit Sicherheit Kinderträume und Kindheitssehnsüchte wieder aufleben lassen kann – das sind deine Bücher, deine Geschichten, das bist du.

Danke dafür.

Deine Verena

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