Die Stadt, eine Bühne #3 0 Kommentare
09.05.2012Montagabend in der Bahn. Ich suche mir einen Sitzplatz, lasse mich fallen und will mir automatisch die Kopfhörer in die Ohren stecken, als ich sehe, dass wieder einer dieser vermalledeiten Straßenmusiker einsteigt. Auf dieses Getröte habe ich mal so gar keine Lust. Doch nach den ersten Tönen, die der Musiker seinem Instrument entlockt, lasse ich die Kopfhörer wieder sinken. Da steht er, dieser unauffällige Mann mittleren Alters, ausgefranste Jeans, grauer Pulli, unter dem sich ein Bierbauch abzeichnet, schwarze Weste und auf dem Kopf eine dunkelblaue Kappe mit rotem Schriftzug: Obstgarten. Und ausgerechnet dieser Mann setzt die Querflöte an seine Lippen und spielt wie ein junger Gott! Ich bin ganz hingerissen und merke, wie der montägliche Stress von mir abfällt, während ich aufmerksam zuhöre. Mir gegenüber sitzt eine Frau in meinem Alter, die von der Musik ebenso gebannt ist. Ab und an werfen wir uns einen Blick zu und lächeln uns an, denn wir denken gerade genau dasselbe. Was für eine Musik, was für eine Freude! Der Musiker hört erst nach zwei S-Bahn-Stationen auf zu spielen. Als er die Flöte absetzt und erwartungsvoll in die Runde guckt, applaudieren wir begeistert. Ich werfe dem Musiker etwas Geld in die dunkelblaue Kappe mit dem roten Schriftzug: Obstgarten und füge noch schnell ein “Großartig!” hinzu. Er bedankt sich mit einem funkelnden Blick aus seinen kleinen, freundlichen Augen.
Made my day!